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Warum braucht Mönchengladbach eine 6. Gesamtschule?

Montag, den 29. Juni 2009 um 00:00 Uhr | Aktualisiert (Mittwoch, den 10. März 2010 um 16:11 Uhr)

Antworten und Hintergründe zur schulpolitischen Debatte Nummer 1


Die Situation:

In Mönchengladbach existieren derzeit 5 Gesamtschulstandorte. Für das Schuljahr 2009/2010 haben knapp 600 Schülerinnen und Schüler an den Standorten in Hardt, Neuwerk, Volksgarten, Espenstraße und Rheydt-Mülfort einen Platz gefunden.

Damit ist die Kapazität der bestehenden Gesamtschulen ausgereizt. Dies belegt die hohe Zahl von Schülern, die abgewiesen werden mussten. Rund 500 Schüler dürfen ab dem kommenden Schuljahr nicht die gewünschten Schulen besuchen. Sie müssen nun auf andere Schulformen ausweichen. Vielen von ihnen bleibt nur der Gang zur Hauptschule.

Was passiert mit den Schülern die abgewiesen werden?

Schüler, die nach der Abweisung statt auf die Gesamtschule die Hauptschule besuchen müssen, haben nicht nur das Problem eine Schule besuchen zu müssen, die in der Öffentlichkeit einen besonders schlechten Ruf genießt. Diese Kinder sind die Verlierer in einem dreigliedrigen Schulsystem, das diskriminiert statt fördert. Denn während man viele Schüler von den Gymnasien und Realschulen im Laufe ihrer Schulzeit lieber an die Hauptschule abgibt, statt diese Leistungsschwächeren Schüler besser zu fördern, gelingt es immer weniger Schüler von der Hauptschule auf Realschulen oder Gymnasien zu wechseln.
Nachhaltig verschlechtern sich also die Zukunftschancen derjenigen, die von Gesamtschulen abgewiesen werden müssen. Ihnen wird der soziale Aufstieg verbaut und der Einstieg in die meisten Berufsfelder verwehrt. In einer Zeit in der es gilt Kinder zu fördern und ihre Fähigkeiten zur Entfaltung zu bringen, ist diese Situation für sie und für die Gesellschaft nicht hinnehmbar.

Was macht die Gesamtschule anders?

Diese Frage wird zu häufig ideologisch diskutiert. In der Vergangenheit waren es stets die Vertreter von CDU und FDP, die in Mönchengladbach und NRW gegen die Gesamtschule mobil gemacht haben. Der Grund: Starr wird an der Idee der Dreigliedrigkeit festgehalten. Zu groß ist die Angst vor tiefgreifenden Veränderungen und vor einer Veränderung der durch Vorurteile geleiteten Trennung der Kinder in stark und schwach, gut und schlecht, intelligent und nicht-intelligent.

Die Befürworter traten mit der gleichen Vehemenz für die Gesamtschulen ein. Ihre Argumente waren aber lange Zeit nur der Klassenkampfrhetorik entliehen. Es wurde so getan als ginge es darum der Elite zu Gunsten der unteren Gesellschaftsteile einen Sonderstatus zu entreißen.

Dabei gibt es gute Gründe für eine Gesamtschule einzutreten, die jenseits der ideologischen Gräben verborgen sind.

Das Konzept der Gesamtschulen setzt der diskriminierenden Außendifferenzierung eine ausgewogene Binnendifferenzierung entgegen.
Binnendifferenzierung setzt nicht drauf, dass Schüler mit dem Etikett; „Hauptschüler“, „Realschüler“ oder „Gymnasiast“, bereits im Alter von 10 oder 11 Jahren einen Weg beschreiten müssen, der ihrem Potential häufig nicht gerecht wird.

Binnendifferenzierung setzt darauf, in einer heterogenen Lerngemeinschaft, in Klassen mit leistungsstärkeren und leistungsschwächeren Schülern so zu fördern, dass jeder ein möglichst hohes Maß seiner individuellen Leistungsfähigkeit erreicht. Ziel ist es, dass sich stärkere und weniger starke Schüler ergänzen. Während Schüler die den Stoff bereits beherrschen anderen bei ihren Verständnisproblemen behilflich sind, festigen sie das gelernte und können eigene Wissenslücken schließen. Zudem erlernen die Schüler dabei soziale Schlüsselkompetenzen wie Teamfähigkeit, Einfühlungsvermögen, Argumentationsfähigkeit, Konfliktfähigkeit und selbstständige Handlungskompetenzen.

Durch den binnendifferenzierenden Charakter gewährleistet Gesamtschule, dass auch solche Schüler langfristig den Weg zum Abitur finden können, die in anderen Fällen, als Hauptschüler stigmatisiert, niemals ihr wahres Potential ausgeschöpfen könnten.

Ist das Gesamtschulabitur nur ein Light-Abi?

Dieses Urteil fällten vor einigen Jahren noch viele Menschen. Die Antwort auf diese Frage kann im Jahre 2009 aber nur lauten: Nein!

Zwar wird Gesamtschülern durch CDU und FDP nachgesagt, sie würden nicht die gleichen Voraussetzungen für Beruf und Hochschulstudium erfüllen, wie Abiturienten von Gymnasien, jedoch ist dieser Aussage, spätestens mit der Einführung des Zentralabiturs, jede Grundlage entzogen. Gesamtschüler absolvieren dieselben Prüfungsaufgaben wie ihre Kollegen an den Gymnasien. Ein Einser-Abiturient ist ein Einser-Abiturient.
Mehr noch: Seit der Einführung des G8, des Abiturs nach 12 Jahren haben Schüler auf den Gymnasien ein Jahr weniger Zeit um die Kompetenzen zu erwerben, die das Abitur ihnen testiert. Denn um Kompetenzen geht es. Schule hat nicht die Aufgabe schlichtes Wissen zu vermitteln. Schule soll den jungen Menschen für sein zukünftiges Leben fit machen. Er soll als Mündiger Bürger zu einem Teil unserer demokratischen Gesellschaft werden und im beruflichen wie privaten Umfeld seinen Beitrag für anhaltenden Wohlstand und sozialen Frieden leisten.Zu erwarten, dass der Erwerb von Wissen und Kompetenzen durch eine Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur zu gewährleisten ist, wodurch noch mehr Druck auf den Schultern der Kinder abgeladen wird, ist so abwegig wie realitätsfern.
An Gesamtschulen wird dieses unzumutbare Konzept nicht umgesetzt. Schüler können ohne zusätzlichen Druck lernen und sich auf ihr zukünftiges Leben vorbereiten.

Was muss ich tun damit eine 6. Gesamtschule eingerichtet wird?

Zuvor ist verdeutlicht worden, warum Gesamtschulen, fern der ideologischen Deckblockaden von links und rechts, den Kindern mehr Chancen eröffnen als dies in der Dreigliedrigkeit der Fall ist.

SPD und Jusos setzen sich seit Jahren für die Ausweitung des Gesamtschulangebots in Mönchengladbach ein. Die Ratsfraktion hat hierfür unzählige Male versucht Mehrheiten zu finden. Doch jedes der genannten und unzähligen weiteren Argumente prallte an der Blockadehaltung von CDU und FDP ab.
Es bedarf aber politischer Mehrheiten in Mönchengladbach, um zukünftig den Elternwillen durchzusetzen.
Wer eine 6. Gesamtschule will, muss am 30. August SPD wählen, damit zukünftig Politik für den Bürger und für Kinder, statt gegen den Bürger und gegen Kinder gemacht werden kann.

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